Elisabeth Abegg (1882 - 1974)

Die 1882 in Straßburg im Elsass als Tochter eines deutschen Juristen und Offiziers geborene Elisabeth Abegg schließt ein Lehrerinnen-Seminar ab und studiert, als Frauen gerade zu den Universitäten zugelassen sind, ab 1912 Geschichte, klassische Philologie und Romanistik. 1916 promoviert sie in Leipzig mit einem Thema zur Geschichte des Mittelalters.

Ab 1924 ist sie Studienrätin am Luisen-Oberlyzeum in Berlin-Mitte. Die ledige Frau engagiert sich vielfach sozial und gesellschaftlich und verfügt über zahlreiche Kontakte zu ebenfalls demokratisch eingestellten Menschen. Während der Weimarer Republik gehört sie der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP) an. Außerdem setzt sie sich in der von dem protestantischen Pfarrer Friedrich Siegmund-Schultze gegründeten „Sozialen Arbeitsgemeinschaft Berlin-Ost“ für sozial benachteiligte Jugendliche – besonders für junge Frauen – ein. 1941 tritt sie nach Jahren des Engagements der „Religiösen Gesellschaft der Freunde“ (Quäker) offiziell bei.

Seit Mitte der 1930er Jahre steht sie mit der linksliberalen Widerstandsorganisation um Hans Robinsohn und Ernst Strassmann in Verbindung, in der sich Personen für einen demokratischen Wiederaufbau nach einem erhofften Sturz des NS-Regimes sammeln. 1938 muss sie sich wegen der Unterstützung eines widerständigen Theologen vor der Gestapo verantworten, 1941 wird sie wegen kriegskritischer und Völker versöhnender Bemerkungen im Unterricht zwangsweise in den Ruhestand versetzt.

Bereits seit 1933 unterstützen sie und ihre Vertrauten durch das NS-Regime Bedrohte mit materiellen Hilfen und freundschaftlichen Zuwendungen. Nach Beginn der Deportationen der deutschen Juden und der Verschleppung ihrer Freundin Dr. Anna Hirschberg bindet Abegg ihre Freundeskreise in die Rettung Verfolgter ein. Nach späteren eigenen Angaben nehmen sie und ihre Schwester Julie insgesamt zwölf Personen in ihrer gemeinsamen Wohnung in Berlin-Tempelhof auf und versorgen sie zumindest zeitweise. Zu ihnen gehören vor allem jüdische Menschen, aber auch politisch Verfolgte, wie der sozialdemokratische Widerstandskämpfer Ernst von Harnack, der im Sommer 1944 nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler auf der Flucht ist. Für zahlreiche weitere Verfolgte findet Elisabeth Abegg umgehend andere Unterstützer. Ihre Hilfeleistung wird weder entdeckt noch verraten.

Nach dem Krieg ist sie bis zur regulären Pensionierung wieder als Lehrerin tätig. Sie tritt in die SPD ein, setzt aber ihr Engagement hauptsächlich im Rahmen der Berliner Quäkergruppe fort. Sie gehört zu den deutschen Mitbegründern des Nachbarschaftsheims Mittelhof e.V. in Berlin-Zehlendorf, das ab 1947 auf Initiative amerikanischer Quäker aufgebaut wird und einen sozial-kulturellen Beitrag zur Demokratisierung Deutschlands leisten soll.

Wegen ihrer Hilfe für Verfolgte wird sie mehrfach ausgezeichnet. An ihrem ehemaligen Wohnhaus in Berlin-Tempelhof, Tempelhofer Damm 56, ist seit 1991 eine Gedenktafel angebracht; seit März 2006 ist eine Straße im Berliner Bezirk Mitte nach ihr benannt.

Biografische Literatur:
Liselotte Pereles: Die Retterin in der Not, in: Kurt R. Grossmann: Die unbesungenen Helden. Menschen in Deutschlands dunklen Tagen, Berlin, Wien 1984, S. 85–93.
Martina Voigt: Grüße von „Ferdinand“. Elisabeth Abeggs vielfältige Hilfe für Verfolgte, in: Beate Kosmala, Claudia Schoppmann (Hrsg.): Sie blieben unsichtbar. Zeugnisse aus den Jahren 1941 bis 1945, Berlin 2006, S. 104-116.
Elisabeth Abegg
Foto: Privatbesitz

Biografien

Rettungsversuche

Glossar

  • Quäker

    Quäker

    Die ab 1746 in England entstandene „Religiöse Gesellschaft der Freunde“ (Quäker) ist eine christlich fundierte Laiengemeinschaft. Ihre Lehre vom „inneren Licht“ Gottes in jedem Menschen verpflichtet sie zu Gewaltlosigkeit, ungeteilter Menschenliebe und Hilfe für Notleidende. Der 1925 gegründete deutsche Zweig mit fast 300 Mitgliedern wird von 1933-1945 überwacht, sein Eigentum z.T. beschlagnahmt.