Else Behrend-Rosenfeld (1891 - 1970)

Else Behrend wird als Tochter eines jüdischen Arztes und seiner christlichen Frau in Berlin geboren und evangelisch getauft. Nach einer Ausbildung zur Kindergärtnerin studiert sie Germanistik, Geschichte und Philosophie und promoviert 1919 mit einer historischen Arbeit. 1920 heiratet sie den jüdischen Berliner Juristen Siegfried Rosenfeld, der von 1921 bis 1933 SPD-Abgeordneter im Preußischen Landtag und hoher Ministerialbeamter des Preußischen Justizministeriums ist. Als ihre drei Kinder das Schulalter erreicht haben, engagiert sich Else Behrend-Rosenfeld ehrenamtlich in der Gefangenenhilfe.

Nach der Zwangspensionierung Siegfried Rosenfelds zieht die Familie 1933 nach Bayern. Nach seiner vorübergehenden Verhaftung 1934 bemühen sie sich um die Auswanderung. 1937 reist die Tochter nach Argentinien aus, 1939 die beiden Söhne nach England. Siegfried Rosenfeld folgt ihnen im August 1939. Else Behrend-Rosenfelds Plan, zu Mann und Söhnen zu emigrieren, zerschlägt sich nach Kriegsbeginn.

1937 zum Judentum konvertiert, nimmt sie in München eine Arbeit als Fürsorgerin bei der jüdischen Gemeinde an. Im Juni 1941 wird sie als Wirtschafterin in das Internierungslager Berg am Laim verpflichtet, einer von zwei Münchner „Heimanlagen“ zur Zwangsunterbringung der jüdischen Bevölkerung. Hier erlebt sie den Beginn der Deportationen. Die Betreuung der Insassen vor der Zwangsverschleppung belastet sie stark, besonders als sie ab Juli 1942 glaubwürdige Informationen über die Massenmorde in den deutsch besetzten Gebieten erhält. Als ihr selbst die Deportation droht, taucht sie am 15. August 1942 unter und flieht mit Hilfe einer Freundin nach Berlin.

Bei ihren Verwandten Eva und Georg Fischer kann sie sich für knapp drei Monate verbergen. Aus Angst vor Entdeckung verlässt sie das kleine Haus nie. Durch Vermittlung einer Freundin lernt sie Hans Kollmorgen kennen, Besitzer einer Firma für optische Instrumente, der sie und vier weitere jüdische Verfolgte in seiner Wohnung in Berlin-Schöneberg aufnimmt und versorgt. Nach wiederum drei Monaten wird sie von der befreundeten Magdalena Heilmann und deren Kindern Peter und Eva versteckt. Peter Heilmann organisiert für sie einen Postausweis auf den Namen „Martha Schröder“, mit dem sie sich freier bewegen kann. Im Mai 1943 reist sie zu Heilmanns Freunden Edmund und Lotte Goldschagg nach Freiburg, die sie fast ein Jahr bei sich beherbergen. Wegen einer misstrauischen Nachbarin wird ihr Aufenthalt dort schließlich zu gefährlich.

Peter Heilmanns Freundin Hella Gorn, eine junge Quäkerin, bittet die Berlinerin Luise Meier um Unterstützung, die über ortskundiger Helfer bereits mehrere jüdische Flüchtlinge über die Schweizer Grenze geleitet hat. Hella Gorn reist im April 1944 nach Freiburg, um mit Else Behrend-Rosenfeld die Flucht vorzubereiten. Von ihren „arischen“ Freunden erhält sie auch die von den Fluchthelfern geforderten 3000 Reichsmark. Meiers Verbindungsmänner leiten sie schließlich bis zum Grenzgebiet. Beim Überqueren der Grenze am 20. April 1944 bricht sie sich ein Bein – glücklicherweise schon auf Schweizer Boden.

Nach Kriegsende arbeitet sie als Fürsorgerin in Zürich. Dort erscheint Ende 1945 ihr Tagebuch über die eigene Verfolgung, eine der frühesten Veröffentlichungen dieser Art. 1946 zieht sie zu ihrem Mann nach England. Nach dessen Tod kehrt sie 1952 nach Bayern zurück und arbeitet erneut in der Gefangenenhilfe. 1970 stirbt sie in Birmingham bei ihrer Familie.

Biografische Literatur:
Else Behrend-Rosenfeld, Siegfried Rosenfeld: Leben in zwei Welten. Tagebücher eines jüdischen Paares in Deutschland und im Exil, herausgegeben und kommentiert von Erich Kasberger und Marita Krauss, München 2011.
Rahel Behrend: Verfemt und verfolgt. Erlebnisse einer Jüdin in Nazi-Deutschland 1933-1944, Zürich 1945; mehrfach wieder aufgelegt als:
Else R. Behrend-Rosenfeld: Ich stand nicht allein. Erlebnisse einer Jüdin in Deutschland 1933-1944, zuletzt München 1988.
Else Behrend-Rosenfeld
Foto: Bayerisches Hauptstaatsarchiv

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