Edith Bruck (1904 - 1997)

Edith Fürst wächst in einer jüdischen Familie in Königsberg (heute Kaliningrad) auf und macht eine Ausbildung als Säuglingsschwester. Zusammen mit ihren vier Geschwistern ist sie während der 1920er Jahre in der jüdischen Jugendbewegung aktiv. Geleitet von den Ideen der Freiheit und Gleichheit, verwirklicht sie 1933 in Berlin-Niederschönhausen ihren Traum von einem eigenen Kinderheim. Schon bald ist es für seinen freien Geist bekannt. Viele Oppositionelle bringen ihre Kinder dorthin.

Nach dem Pogrom 1938 muss sie das Heim schließen. Ihren Geschwistern Max und Rosa gelingt es noch rechtzeitig auszuwandern. Ein wichtiger Kontakt entsteht zur Rechtsanwältin Hilde Benjamin, der Frau des verfolgten jüdischen Arztes Georg Benjamin, deren Sohn sie betreut. Ab 1939 leitet sie die Kinderkrippe der Jüdischen Gemeinde in der Auguststraße 17. Zwei Jahre später heiratet sie den früheren Redakteur des „Ruhr-Echo“, Emanuel Bruck, der als Kommunist eine langjährige Zuchthausstrafe verbüßt. Als er 1942 entlassen werden soll, wird er stattdessen in das KZ Dachau überstellt und dort im August 1942 ermordet.

Hilde Benjamin und ihr langjähriger Bekannter aus linken oppositionellen Kreisen, der Zahnarzt Dr. Kurt Hess, bestärken Edith Bruck darin unterzutauchen, um der drohenden Deportation zu entgehen. Das tut sie im Oktober 1942. Sie findet etliche Quartiere. Hilde Benjamin kann sie nicht bei sich aufnehmen, bewahrt jedoch wichtige Fotos und Papiere auf und hält ständigen Kontakt zu ihr. Hilde Benjamins Bekannter Harald Poelchau weiß von den Nöten der geflohenen Edith Bruck. In der ersten Zeit ihrer Illegalität erhält sie von Poelchau Arbeit und Lebensmittel. Poelchau wiederum bittet seine Freunde, den Archäologen Peter Knoblauch und dessen französische Frau Yvonne, Edith Bruck zu unterstützen. Diese betreut ab 1943 die 1942 geborene Tochter der Knoblauchs in deren Wohnung in der Charlottenbrunner Straße 41 in Berlin-Grunewald. Edith Bruck erhält von Kurt Hess einen Postausweis auf den Namen seiner Schwägerin Gertrud Hess, der mit Edith Brucks Passfoto versehen ist. Als Peter Knoblauch zur Wehrmacht eingezogen wird und Yvonne Knoblauch mit ihrer Tochter 1944 die Stadt wegen der zunehmenden Bombengefahr verlässt, sorgen sie bei ihrer Wohnungsbaugesellschaft dafür, dass Edith Bruck als „Gertrud Hess“ ihre Wohnung offiziell „hüten“ kann.

Durch ihre Verbindungen zu illegalen kommunistischen Kreisen kommt sie in Kontakt mit Charlotte Bischoff, einer in die Sowjetunion emigrierten Kommunistin, die 1941 über Schweden illegal nach Deutschland einreist, um die zerrissenen Widerstandsverbindungen wieder zusammenzubringen. Charlotte Bischoff wohnt ab und zu bei Edith Bruck in der Knoblauch´schen Wohnung und lernt auch Harald Poelchau kennen, der ihr bei der Gefängnisärztin Hilde Westrick eine eigene Unterkunft vermittelt.

Am 19. November 1944 wird Edith Bruck in der Charlottenbrunner Straße 41 festgenommen und kommt wenige Tage später in das KZ Ravensbrück. Schwerkrank überlebt sie das Konzentrationslager. Nachdem sie ihre Tuberkulose auskuriert hat, leitet sie verschiedene Kinderheime in der DDR und heiratet 1958 Bruno Holzapfel. Sie stirbt 1997 in Halle.

Biografische Literatur:
Regina Scheer: Ahawah. Das vergessene Haus. Spurensuche in der Berliner Auguststraße, Berlin 1992, S. 229–250.
Edith Bruck
Foto: Privatbesitz

Biografien

Rettungsversuche

Glossar

  • Kreisauer Kreis

    Kreisauer Kreis

    Ab 1940 sammeln Helmuth James Graf von Moltke und Peter Graf Yorck von Wartenburg Regimegegner unterschiedlicher gesellschaftlicher Herkunft und geistiger Traditionen um sich, um Neuordnungspläne für ein nach-nationalsozialistisches Deutschland zu entwerfen. Später zum Teil am Umsturzversuch des 20. Juli 1944 beteiligt, wird der Widerstandskreis gnadenlos verfolgt.