Theodor Burckhardt (1885 - 1982)

Theodor Burckhardt studiert evangelische Theologie und tritt 1911 seine erste Pfarrstelle in dem Dorf Sollstedt im Südharz an. Im selben Jahr heiratet er die aus einer norwegischen Theologenfamilie stammende Bolette Michelet. 1914 wechselt Burckhardt an die Betheler Anstalten. Während des Ersten Weltkrieges wird er mehrfach als freiwilliger Feldgeistlicher einberufen. 1925 beginnt ein neuer Dienstabschnitt in Wuppertal-Unterbarmen. Von dort wird er 1931 an die Kirchengemeinde Zum Heilsbronnen in Berlin-Schöneberg berufen, die er bis 1945 innehat.

Auch wenn der Gemeindekirchenrat nach 1933 von den regimetreuen Deutschen Christen dominiert wird, kommt es in der Gemeinde nicht zum offenen Konflikt. Burckhardt gilt neben den Pfarrern Eitel-Friedrich von Rabenau und Adolf Kurtz als eine der „Säulen" der Bekennenden Kirche in Schöneberg. Er ist ein klarer Gegner antisemitischer Ideologie. Vermutlich durch die Denunziation eines Gemeindeältesten wird Burckhardt wegen der Fürbitte für inhaftierte Pfarrer drei Wochen lang festgenommen. Mehrfach steht er unter Hausarrest.

Die Hilfe, die das Ehepaar Burckhardt leistet, besteht „in der ersten Zeit des Nationalsozialismus darin, dass wir nichtarische Personen in unserer großen Dienstwohnung (...) vorübergehend Unterkunft gewährten, Frauen jüdischer Abstammung in unserem Haushalt beschäftigten, ihnen Helfer zu finden versuchten, Lebensmittelkarten verschafften usw.“, erinnert sich Theodor Burckhardt 1974. „Meine Frau gab manchmal ihren Postausweis an jüdische Frauen weiter.“ Sie meldet den Ausweis dann als verloren. Beim dritten Mal wird der Pfarrer deswegen zur Gestapo vorgeladen, aber er kann sich herausreden. Bei jeder nur möglichen Gelegenheit sammelt das Pfarrehepaar Lebensmittelmarken und Essen zur Unterstützung Untergetauchter. Um die Gaben zu den Bedürftigen zu bringen, schickt Bolette Burckhardt auch die beiden jüngsten ihrer neun Kinder durch die Stadt.

Von den im Pfarrhaus Zum Heilsbronnen Versteckten sind zwei jüdische Ehepaare namentlich bekannt: Max und Ines Krakauer werden vom 1. bis 7. August 1943 beherbergt. Pfarrer Burckhardt vermittelt sie dann an seinen Kollegen Kurt Müller in Stuttgart, der ebenfalls verfolgten Juden hilft. Auch Ernst und Helene Helft werden im November 1943 für etwa vier Wochen und erneut im März 1944 für eine unbestimmte Zeit im Pfarrhaus aufgenommen. Außerdem vermittelt Pfarrer Burckhardt eine weitere Untergetauchte, Else Fleischmann, an die Ärztin Anna Brüggemann. Die Ärztin erwähnt nach dem Krieg auch, dass sie – in Zusammenarbeit mit Burckhardt – von der Deportation bedrohte Menschen mithilfe von Attesten zurückstellen ließ.

Am 14. April 1945 verlässt Theodor Burckhardt wegen seiner schwerkranken Frau mit einem der letzten Züge Berlin. Bolette Burckhardt stirbt am 24. Mai 1945 in Bad Oldesloe. Da er ohne Zustimmung der Kirchenbehörde seine Pfarrei verlassen hat, wird er suspendiert und kann sich nur durch Anschluss an eine Bruderschaft über Wasser halten. Burckhardt stirbt 1982 mit 96 Jahren.

Seit 2010 erinnert eine Gedenktafel an der Kirche Zum Heilsbronnen in Berlin-Schöneberg an das mutige Wirken von Theodor und Bolette Burckhardt.
Theodor Burckhardt
Foto: Privatbesitz

Rettungsversuche

Glossar

  • Bekennende Kirche

    Bekennende Kirche

    Diese innerkirchliche Opposition gegen die Gleichschaltung der Evangelischen Kirche mit dem NS-Regime wird 1934 gegründet. Sie lehnt den Ausschluss von Christen jüdischer Herkunft aus der Kirche ab. In allen Landeskirchen außer Württemberg, Bayern und Hannover kommt es zur Spaltung in regimetreue „Deutsche Christen“ und Anhänger der Bekennenden Kirche. Etliche ihrer Pfarrer werden inhaftiert.