Ernst Ludwig Ehrlich (1921 - 2007)

Ernst Ludwig (Lutz) Ehrlich studiert seit 1940 an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, die von Rabbiner Leo Baeck geleitet wird. Nach deren Schließung im Juni 1942 muss er Zwangsarbeit in einer Rüstungsfabrik leisten. Er wohnt mit seiner Mutter Eva – der Vater starb bereits 1936 – gegenüber der Synagoge Levetzowstraße, die seit 1941 von der Gestapo als Sammelstelle für die Deportationen in die Vernichtungslager genutzt wird. Die Beobachtungen, die er dort macht, und die Tatsache, dass jüdische Zwangsarbeitskräfte systematisch durch ausländische ersetzt werden, veranlassen ihn, nach einem Versteck zu suchen. Durch Bestechung eines Sachbearbeiters in der Fabrik erhält Ehrlich den alten Werksausweis eines ehemaligen nichtjüdischen Arbeiters, und durch forsches Auftreten kann er sich einen Postausweis besorgen.

Eva Ehrlich wird bei der „Fabrik-Aktion" am 27. Februar 1943 verhaftet und deportiert. Ihr Sohn, der bereits zuvor Gerüchte über die Ermordung von Juden in Polen gehört hat, taucht am 1. März unter. Erst wenige Tage vorher hat ihm Franz Schürzholz, ein ihm bislang unbekannter Fabrikant und überzeugter Regimegegner, Hilfe angeboten. Bis Mitte Mai 1943 versteckt er Lutz Ehrlich, versorgt ihn mit Essen und vermittelt ihn dann an seinen Freund Karl Fütterer.

Gemeinsam mit seinem ebenfalls untergetauchten früheren Studienkollegen Herbert Strauss will Lutz Ehrlich in die Schweiz fliehen. Herberts Freundin Lotte Kahle ist schon am 1. Mai 1943 mithilfe von Luise Meier und Josef Höfler die Flucht geglückt. Erst als es den beiden jungen Männern gelingt, sich gut gefälschte Militärausweise zu besorgen, sind die Fluchthelfer bereit, das Risiko einzugehen. In Singen angekommen, werden sie von Josef Höfler an die Grenze geleitet. Dort müssen die Verfolgten in der mondhellen Nacht lange warten, bis sie von den Posten unbemerkt am 12. Juni 1943 auf Schweizer Boden gelangen.

Nach dem Krieg bleibt Ernst Ludwig Ehrlich in der Schweiz, wo er seine Studien fortsetzt. Der Judaist, Religionsphilosoph und Publizist erhält für sein Lebenswerk und sein vielfältiges Engagement für den christlich-jüdischen Dialog mehrere Auszeichnungen.

Biografische Literatur:
Hartmut Bomhoff: Ernst Ludwig Ehrlich. Ein Leben für Dialog und Erneuerung, Berlin 2011.
Ernst Ludwig Ehrlich
Foto: Privatbesitz

Rettungsversuche

Glossar

  • "Fabrik-Aktion"

    "Fabrik-Aktion"

    In einer reichsweiten Razzia werden am 27.2.1943 alle noch in der Rüstungsproduktion tätigen deutschen Juden festgenommen. In Berlin, wo die Zahl der jüdischen Zwangsarbeiter am höchsten ist, werden die meisten Menschen gefasst. Hier tauchen etwa 4.000 Verfolgte unter, die Gerüchte gehört haben oder gewarnt wurden. Landesweit werden rund 11.000 Juden Anfang März 1943 nach Auschwitz deportiert.