Elisabeth Goes (1911 - 2007)

Elisabeth Schneider wächst als Tochter eines Postmeisters in Echterdingen bei Stuttgart auf. Sie absolviert eine Ausbildung zur Kindergärtnerin. 1933 heiratet sie den protestantischen Theologen Albrecht Goes, der ab 1938 Pfarrer in Gebersheim, einem Dorf bei Leonberg nahe Stuttgart ist. 1940 wird er zum Militärdienst einberufen und ist von 1942 bis 1945 als Geistlicher im Lazarett und im Gefängnis tätig.

Während des Krieges kommt Elisabeth Goes mit württembergischen Pfarrhäusern in Kontakt, die der Bekennenden Kirche nahe stehen und sich für verfolgte Juden einsetzen. Als sie im Sommer 1944 von einem der Pfarrer, Otto Mörike, gefragt wird, ob sie bereit sei, das jüdische Ehepaar Max und Ines Krakauer zu verstecken, sagt sie zu – trotz der Sorge um ihre drei kleinen Töchter. Nur die Familien der Bauern Gottlob und Benjamin Schwarz wissen Bescheid und unterstützen die Pfarrfrau mit Lebensmitteln.

Eine gefährliche Situation entsteht, als ein Nachbar Elisabeth Goes und ihre „ausgebombten Gäste" um Hilfe bei der Arbeit bittet. Ein plötzliches Unwetter beendet den Ernteeinsatz vorzeitig – und verhindert, dass Krakauers möglicherweise Verdacht erregt hätten. Vom 22. August bis 20. September 1944 bleiben die Verfolgten bei Elisabeth Goes. Dann bringt sie Krakauers zu ihrem nächsten Unterschlupf in Heimerdingen. 1945 versteckt Elisabeth Goes auch Ella Friedemann aus Berlin und eine weitere Jüdin bei sich.

Elisabeth Goes erhält 1979 für ihr mutiges Handeln das Bundesverdienstkreuz und wird 1995 von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern" ausgezeichnet. Auf Initiative von Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker wird 2003 ein Gedenkstein am Gebersheimer Pfarrhaus aufgestellt, der an das Ehepaar Goes erinnert. Albrecht Goes, der 1953 den Pfarrdienst quittiert und von da an als freier Schriftsteller tätig ist, gehört zu den wenigen Autoren, die bereits in den 1950er Jahren in ihrem Werk die Judenverfolgung thematisieren.

Elisabeth Goes
Foto: Privatbesitz

Biografien

Rettungsversuche

Glossar

  • Bekennende Kirche

    Bekennende Kirche

    Diese innerkirchliche Opposition gegen die Gleichschaltung der Evangelischen Kirche mit dem NS-Regime wird 1934 gegründet. Sie lehnt den Ausschluss von Christen jüdischer Herkunft aus der Kirche ab. In allen Landeskirchen außer Württemberg, Bayern und Hannover kommt es zur Spaltung in regimetreue „Deutsche Christen“ und Anhänger der Bekennenden Kirche. Etliche ihrer Pfarrer werden inhaftiert.

     

     

  • "Bombengeschädigte"

    "Bombengeschädigte"

    Ab 1943 verlieren immer mehr Menschen durch Luftangriffe ihre Wohnungen. Viele untergetauchte Juden versuchen diesen Umstand zu nutzen. Sie geben sich als „Bombengeschädigte“ aus und erhalten von den Behörden, die die Angaben aufgrund vernichteter Unterlagen nicht mehr überprüfen können, „arische“ Papiere oder Lebensmittelmarken. Dies verbessert die Überlebenschancen der Verfolgten deutlich.