Eva Heilmann (1920 - 2005)

Eva Heilmann wächst als ältestes Kind des Juristen und SPD-Politikers Ernst Heilmann in Berlin auf. Ihre Mutter Magdalena Heilmann stammt aus einer sozialdemokratischen Familie. Im Frühjahr 1933 wird ihr Vater verhaftet und 1940 im KZ Buchenwald ermordet.

Eva Heilmann wird – wie ihre jüngeren Geschwister Peter, Ernst-Ludwig und Beate – nach den NS-Rassengesetzen als „Mischling I. Grades“ eingestuft, da ihr Vater jüdischer Herkunft ist. Die vier Kinder werden um 1935 von einem Pfarrer der Bekennenden Kirche evangelisch getauft. Eva Heilmann kann 1939 nach erzwungenem Schulwechsel das Abitur noch unter etlichen Benachteiligungen absolvieren. Ihr Plan, anschließend zu emigrieren, misslingt. Sie muss den Arbeitsdienst ableisten und möchte danach ein Studium aufnehmen, was ihr jedoch verwehrt wird. Im Lette-Verein erlernt sie den Beruf einer chemisch-technischen Assistentin und arbeitet danach in einer Firma, die Wasserreinigungsanlagen herstellt. Der Firmenleiter hält seine schützende Hand über sie. Gemeinsam mit ihrem Bruder Peter hat sie Kontakt zu der Jugendgruppe der Quäker, und im „Paulus-Bund“, der "Vereinigung nichtarischer Christen", trifft sie junge Leute, die sich in ähnlicher Lage befinden.

Durch die vielfältigen familiären Kontakte wenden sich viele bedrohte und verfolgte Juden an die durch die „arische“ Herkunft der Mutter relativ geschützte Familie Heilmann. Evas Mutter Magdalena ist furchtlos und betrachtet ihre Hilfe für Verfolgte als persönlichen Widerstand gegen das NS-Regime. Gemeinsam mit ihr und mit ihren Brüdern nimmt Eva Heilmann viele untergetaucht lebende Juden in ihrer Wohnung auf. 1943 beherbergen sie Else Behrend-Rosenfeld, eine langjährige Freundin der Familie und verhelfen ihr zur Flucht in die Schweiz. Die untergetauchte Toni Boronow-Kaliski wird 1943 ebenso aufgenommen wie die drei jungen Männer Walter Joelson, Ernst Schwerin und Gerd Ehrlich, denen es im Herbst 1943 ebenfalls gelingt, in die Schweiz zu fliehen. Auch die Schwestern Alice und Elsbeth Pasch werden von Heilmanns sowie einer Mitstreiterin versteckt. Die beiden älteren Frauen ertragen nach etlichen Wochen das völlig unsichere Leben im Untergrund nicht und stellen sich der Gestapo. Sie werden am 28. Juni 1943 nach Auschwitz deportiert.

Durch Kontakte zu dem Quäker-Ehepaar Tilla und Heinz Haagen kommt das untergetauchte Ehepaar Martin und Eva Deutschkron zu Familie Heilmann. Sie sind Schneider und fertigen in deren Wohnung Kleidungsstücke, die sie im Berliner Umland verkaufen können. Bis Anfang 1945 bleiben Deutschkrons bei Heilmanns. Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 beherbergen Heilmanns für kurze Zeit auch den gesuchten Ernst von Harnack, der später gefasst und hingerichtet wird.

Das Kriegsende erlebt Eva Heilmann in Berlin, auch ihre Mutter und Geschwister überleben. Sie ist voller Hoffnung auf einen politischen Neuanfang und freut sich auf ein Studium an der im sowjetischen Sektor liegenden Berliner Universität. Als sie dort Anzeichen einer neuen Diktatur bemerkt, bezieht sie eindeutig Position und gehört zu den Mitbegründern der Berliner Freien Universität.

Biografische Literatur:
Hans-Rainer Sandvoß: Widerstand in Kreuzberg, Berlin 1996, S. 74–76 und 253–255.
Eva Heilmann
Foto: Privatbesitz

Rettungsversuche

Glossar

  • Quäker

    Quäker

    Die ab 1746 in England entstandene „Religiöse Gesellschaft der Freunde“ (Quäker) ist eine christlich fundierte Laiengemeinschaft. Ihre Lehre vom „inneren Licht“ Gottes in jedem Menschen verpflichtet sie zu Gewaltlosigkeit, ungeteilter Menschenliebe und Hilfe für Notleidende. Der 1925 gegründete deutsche Zweig mit fast 300 Mitgliedern wird von 1933-1945 überwacht, sein Eigentum z.T. beschlagnahmt.

  • Nürnberger „Rassengesetze“

    Nürnberger „Rassengesetze“

    Auf dem NSDAP-Parteitag werden am 15.9.1935 antijüdische Gesetze verkündet. Das „Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ verbietet künftig Eheschließungen zwischen Juden und Nichtjuden. Sexualverkehr wird als „Rassenschande“ gewertet. Das „Reichsbürgergesetz" degradiert Juden zu Bürgern zweiter Klasse und ist die Basis für weitere judenfeindliche Verordnungen.