Josef Höfler (1911 - 1994)

Josef Höfler wird 1911 im badischen Bietingen nahe Singen geboren und absolviert eine Lehre als Schmied in der Schweiz. Seit 1934 lebt er in dem kleinen Grenzort Gottmadingen, wo er bei einer Firma als Schlosser arbeitet. 1935 heiratet er die Schweizerin Elise Brütsch. Ihre Tochter Gertrud wird 1938 geboren.

Während des Zweiten Weltkriegs ist Josef Höfler als Facharbeiter bei den Aluminium-Walzwerken beschäftigt und deshalb vom Militärdienst freigestellt. Ebenso wie sein Arbeitskollege Willy Vorwalder kennt er sich in der Grenzregion bestens aus. Deshalb werden die beiden über Mittelsmänner in der Schweiz gebeten, Lotte Kahle, einer Jüdin aus Berlin, bei der Flucht aus Deutschland zu helfen. Als die junge Frau Ende April 1943 in Singen eintrifft, lernt Höfler ihre nichtjüdische Begleiterin Luise Meier kennen, die wie er das NS-Regime ablehnt. Bei dieser Gelegenheit vereinbaren sie, ihre Hilfe fortzusetzen.

Einzelne Verfolgte lässt Josef Höfler auch bei sich übernachten, bevor er sie an die Grenze führt. Dies gefährdet seine Familie, da im ersten Stock ihres Hauses ein Nationalsozialist wohnt. Im Verlauf seiner Rettungsaktivitäten fährt Höfler mindestens zweimal nach Berlin, um mit den Verfolgten das weitere Vorgehen persönlich zu besprechen – telefonisch wäre dies zu gefährlich gewesen. Es gelingt ihm, zwei weitere Mitstreiter zu finden, als Willy Vorwalder seine Mithilfe Ende 1943 beendet. Um das Risiko einzuschränken, variiert Josef Höfler die Routen des jeweiligen Grenzübertritts.

Als ein Fluchtversuch im Mai 1944 scheitert, wird Josef Höfler inhaftiert. Seine Frau, die an der Hilfe beteiligt war, flieht mit der gemeinsamen Tochter in die Schweiz. Ihr Haus wird von der Gestapo beschlagnahmt. Im Juli 1944 wird das Verfahren an den „Volksgerichtshof" in Berlin abgegeben. Doch zum Prozess wegen „Feindbegünstigung“ kommt es nicht mehr. Im Mai 1945 erlebt Höfler im Konstanzer Gefängnis das Kriegsende.

Weil seine Gesundheit durch die lange Einzelhaft gelitten hat, wechselt er Ende 1946 in den Postdienst. Josef Höfler, der 1946 zu den Mitbegründern der SPD in Gottmadingen gehört, wird 1984 für seine Hilfe mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, und 2001 postum von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem.

Biografische Literatur:
Claudia Schoppmann: Fluchtziel Schweiz. Das Hilfsnetz um Luise Meier und Josef Höfler, in: Wolfgang Benz (Hrsg.): Überleben im Dritten Reich. Juden im Untergrund und ihre Helfer, München 2005, S. 205–219.
Josef Höfler
Foto: Privatbesitz

Rettungsversuche

Glossar

  • „Feindbegünstigung“

    „Feindbegünstigung“

    Alles, was das Deutsche Reich in den Augen des Regimes während des Krieges schädigt oder dem Gegner nutzt, wird von der NS-Justiz als „Feindbegünstigung“ und damit als Landesverrat definiert. Hierunter fällt auch die Fluchthilfe. Für die Ahndung dieser Handlungen – sie werden mit der Todesstrafe und lebenslanger Zuchthausstrafe bedroht – ist der berüchtigte „Volksgerichtshof“ zuständig.

  • "Volksgerichtshof"

    "Volksgerichtshof"

    1934 errichten die Nationalsozialisten den „Volksgerichtshof“ in Berlin, um politische Gegner wegen Hoch- und Landesverrats abzuurteilen. Auch Delikte wie „Feindbegünstigung“ und „Wehrkraftzersetzung“ werden dort verhandelt. Bis 1945 fällt der „Volksgerichtshof“ 5.200 Todesurteile, die meisten seit 1942 unter dem berüchtigten Gerichtspräsidenten Roland Freisler. Rechtsmittel sind nicht zugelassen.