Lotte Kahle (Strauss) (1913)

Lotte Schloss wächst in einer jüdischen Familie in Wolfenbüttel in Niedersachsen auf. Aufgrund antisemitischer Anfeindungen zieht sie 1933 nach Berlin. Dort heiratet sie 1935 einen Jugendfreund, Wolfram Kahle, früher SPD-Bezirksbürgermeister von Berlin-Kreuzberg. Aufgrund persönlicher Differenzen trennt sich das Paar jedoch bald wieder. Emigrationsversuche scheitern, und ab 1941 muss Lotte Kahle Zwangsarbeit leisten. Im Oktober 1942 werden ihre Eltern deportiert. Sie selbst entkommt in letzter Minute, gemeinsam mit ihrem Freund Herbert Strauss, der Verschleppung. Sie wenden sich an August Sapandowski, dessen Name Lottes Mutter ihr „für den Notfall" gegeben hat. Der kommunistische Malermeister, der mit einer untergetauchten Jüdin zusammenlebt, versteckt Lotte Kahle und Herbert Strauss in seinem Keller in Berlin-Schmargendorf.

Lottes Onkel Ludwig Schöneberg, der seit 1938 in der Schweiz lebt, setzt alles daran, um seiner Nichte zur Flucht zu verhelfen. Mithilfe eines Schweizer Delegierten des Internationalen Roten Kreuzes kontaktiert er Luise Meier in Berlin. Sie ist bereit, die ihr unbekannte Jüdin auf der Bahnfahrt zum Bodensee zu begleiten. Auch in der Grenzregion findet Ludwig Schöneberg ortskundige Fluchthelfer: Willy Vorwalder und Josef Höfler.

Nach über sechs Monaten in verschiedenen Verstecken fährt Lotte Kahle, ausgestattet mit falschen Papieren, Ende April 1943 in Richtung Singen. Dort angekommen, bringt Willy Vorwalder sie zu seinem Arbeitskollegen Josef Höfler nach Gottmadingen. Am nächsten Morgen, dem 1. Mai, führt Höfler sie zur Grenze – in Begleitung von Frau und Tochter, um die Flucht wie einen Familienausflug aussehen zu lassen. Wenig später entkommen auch Herbert Strauss und sein Freund Ernst Ludwig Ehrlich auf demselben Weg. Lotte Kahle und Herbert Strauss heiraten 1944 und emigrieren zwei Jahre darauf in die USA.

1982 wird Herbert Strauss, inzwischen Professor für Geschichte in New York, an die Technische Universität Berlin berufen, um dort als Gründungsdirektor das Zentrum für Antisemitismusforschung aufzubauen. Lotte Strauss begleitet ihren Mann nach Berlin. 1990 kehren sie wieder nach New York zurück, wo Lotte Strauss – nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 2005 – heute noch lebt.

Biografische Literatur:
Lotte Strauss: Über den grünen Hügel. Erinnerungen an Deutschland, Berlin 1997.


Lotte Kahle (Strauss)
Foto: Schweizerisches Bundesarchiv

Rettungsversuche