Max Krakauer (1888 - 1965)

Der aus Hindenburg in Oberschlesien stammende Max Krakauer lebt mit seiner 1894 geborenen Ehefrau Karoline, genannt Ines, in Leipzig. Nach dem Ersten Weltkrieg, an dem er als Soldat teilnimmt, leitet der Kaufmann eine Filmverleihfirma, die 1932 die Rechte an Charlie Chaplins Film „Lichter der Großstadt“ erwirbt. Doch der Film wird von der Nazi-Presse diffamiert, was bald zum Bankrott von Krakauers Firma führt. Da Juden die Aufnahme in die 1933 gegründete Reichsfilmkammer verweigert wird, endet in jenem Jahr Max Krakauers Karriere in der Filmbranche. Notdürftig schlägt er sich in den nächsten Jahren als Handlungsreisender durch. Während des Pogroms im November 1938 flieht er vorübergehend nach Berlin zu seiner Schwägerin und entgeht so einer Verhaftung.

Im Mai 1939 ziehen Max und Ines Krakauer nach Berlin, da sie sich dort, am Sitz der Konsulate, bessere Chancen auf ein Visum erhoffen. Sie wohnen bei Ines Krakauers Schwester Else Isaac, die am Kurfürstendamm eine Pension betreibt. Ende Januar 1943 wird Else Isaac festgenommen und nach Auschwitz deportiert. Nur durch die Warnung einer Nachbarin entgehen Max und Ines Krakauer demselben Schicksal. Durch einen Bekannten kommen sie mit evangelischen Pfarrfamilien in Kontakt, die der Bekennenden Kirche angehören oder ihr nahe stehen und die sie beherbergen: zunächst in Pommern (März bis Juli 1943) und ab August 1943 in Württemberg. Nach einer 27 Monate währenden Odyssee durch mehr als 60 Pfarrhäuser und bei vertrauenswürdigen Gemeindemitgliedern werden Max und Ines Krakauer am 21. April 1945 durch die amerikanischen Streitkräfte in Stetten im Remstal befreit.

Ein Jahr nach Kriegsende kann Max Krakauer in Stuttgart in seinen alten Beruf zurückkehren. Ende 1947 erhält er von der amerikanischen Militärregierung eine Lizenz für den „gewerbsmäßigen Verleih von Filmen". Doch seine Firma ist nicht erfolgreich und muss Konkurs anmelden. Max Krakauer stirbt 1965, Ines Krakauer 1972. Sie werden auf dem jüdischen Teil des Steinhalden-Friedhofs in Stuttgart beerdigt.

Biografische Literatur:
Max Krakauer: Lichter im Dunkel. Flucht und Rettung eines jüdischen Ehepaares im Dritten Reich. Neu herausgegeben von Gerda Riehm und Jörg Thierfelder, Stuttgart 2007 (Erstausgabe 1947).
Max Krakauer
Foto: Privatbesitz

Rettungsversuche

Glossar

  • Bekennende Kirche

    Bekennende Kirche

    Diese innerkirchliche Opposition gegen die Gleichschaltung der Evangelischen Kirche mit dem NS-Regime wird 1934 gegründet. Sie lehnt den Ausschluss von Christen jüdischer Herkunft aus der Kirche ab. In allen Landeskirchen außer Württemberg, Bayern und Hannover kommt es zur Spaltung in regimetreue „Deutsche Christen“ und Anhänger der Bekennenden Kirche. Etliche ihrer Pfarrer werden inhaftiert.

     

     

  • "Bombengeschädigte"

    "Bombengeschädigte"

    Ab 1943 verlieren immer mehr Menschen durch Luftangriffe ihre Wohnungen. Viele untergetauchte Juden versuchen diesen Umstand zu nutzen. Sie geben sich als „Bombengeschädigte“ aus und erhalten von den Behörden, die die Angaben aufgrund vernichteter Unterlagen nicht mehr überprüfen können, „arische“ Papiere oder Lebensmittelmarken. Dies verbessert die Überlebenschancen der Verfolgten deutlich.