Luise Meier (1885 - 1979)

Die 1885 in Hagen geborene Luise Bemm heiratet 1909 den Kaufmann Karl Meier. Im westfälischen Soest, wo das Ehepaar lebt, werden zwischen 1910 und 1918 ihre vier Kinder geboren, um deren Erziehung sich Luise Meier kümmert. 1936 ziehen Meiers nach Berlin und wohnen in dem Villenviertel Grunewald. Als seine Söhne in der Wehrmacht dienen, stirbt Karl Meier 1942.

Als gläubige Katholikin lehnt Luise Meier das Regime ab, während ihr Sohn Rudolf seit 1934 der „Leibstandarte-SS Adolf Hitler“ angehört, einem paramilitärischen Truppenverband der SS. 1942 versteckt sie Herta und Felix Perls in ihrer Wohnung und hilft dem jüdischen Ehepaar, Ende des Jahres bei Bregenz am Bodensee in die Schweiz zu fliehen. Im Frühjahr 1943 nimmt sie auch Wally Heinemann, eine Bekannte der Perls, vorübergehend bei sich auf.

Anfang 1943 hilft sie auf Bitten eines Schweizer Delegierten des Internationalen Roten Kreuzes auch einer ihr fremden Jüdin. Dabei kommt sie mit Josef Höfler aus der Bodenseeregion in Kontakt und verhilft mit ihm und anderen etwa 28 Verfolgten zur Flucht in die Schweiz. Nach dem Scheitern eines weiteren Fluchtversuchs wird Luise Meier im Mai 1944 festgenommen. Das Sondergericht Freiburg ermittelt gegen sie und ihre Mitstreiter wegen „fortgesetzter Beihilfe zur illegalen Auswanderung von Juden nach der Schweiz“. Später wird das Verfahren an den „Volksgerichtshof“ in Berlin abgegeben. Doch zum Prozess kommt es nicht mehr.

„Im Gegensatz zu meinen Mitgefangenen war ich niemals verzweifelt oder verzagt, obwohl ich an meinem Todesurteil nicht zweifelte, blieb ich heiter und zuversichtlich – gestärkt durch Gebete", beschreibt Luise Meier, die im Gerichtsgefängnis Singen inhaftiert war, ihre damalige Lage im Rückblick. Am 5. März 1945 wird sie ins Gefängnis Stockach überführt, wo sie im April von französischen Truppen befreit wird. Nach einer postumen Ehrung durch die israelische Gedenkstätte Yad Vashem wird 2011 in Soest, wo Luise Meier seit Kriegsende wieder lebt, ein Weg nach ihr benannt.

Biografische Literatur:
Claudia Schoppmann: Fluchtziel Schweiz. Das Hilfsnetz um Luise Meier und Josef Höfler, in: Wolfgang Benz (Hrsg.): Überleben im Dritten Reich. Juden im Untergrund und ihre Helfer, München 2003, S. 205–219.
Luise Meier
Foto: Privatbesitz

Rettungsversuche

Glossar

  • „Feindbegünstigung“

    „Feindbegünstigung“

    Alles, was das Deutsche Reich in den Augen des Regimes während des Krieges schädigt oder dem Gegner nutzt, wird von der NS-Justiz als „Feindbegünstigung“ und damit als Landesverrat definiert. Hierunter fällt auch die Fluchthilfe. Für die Ahndung dieser Handlungen – sie werden mit der Todesstrafe und lebenslanger Zuchthausstrafe bedroht – ist der berüchtigte „Volksgerichtshof“ zuständig.

  • "Volksgerichtshof"

    "Volksgerichtshof"

    1934 errichten die Nationalsozialisten den „Volksgerichtshof“ in Berlin, um politische Gegner wegen Hoch- und Landesverrats abzuurteilen. Auch Delikte wie „Feindbegünstigung“ und „Wehrkraftzersetzung“ werden dort verhandelt. Bis 1945 fällt der „Volksgerichtshof“ 5.200 Todesurteile, die meisten seit 1942 unter dem berüchtigten Gerichtspräsidenten Roland Freisler. Rechtsmittel sind nicht zugelassen.