Susanne Meyer (Veit) (1902 - 1987)

Die aus Breslau (heute Wrocław) stammende Susanne Abramczyk, 1902 als Tochter eines jüdischen Rechtsanwalts geboren, kommt 1923 als junge Modezeichnerin nach Berlin, wo sie im Ullstein-Verlagshaus eine Ausstellung hat. Zwei Jahre später heiratet sie den ebenfalls jüdischen Ullstein-Journalisten Wilhelm Meyer. 1926 wird ihr Sohn Hans-Ulrich als einziges Kind geboren.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 verliert Wilhelm Meyer seine Stellung als Redakteur im Ullstein-Pressehaus, das bald danach „arisiert“ und gleichgeschaltet wird. Da Meyer schwer erkrankt, gelingt es dem Ehepaar nicht, aus Deutschland zu entkommen. Nur der 13-jährige Sohn kann 1939 noch mit einem der letzten Kindertransporte nach England entfliehen.

Im Laufe des Jahres 1942 erhält Wilhelm Meyer zweimal die Aufforderung zur Deportation, wird aber jedes Mal zurückgestellt, weil er wegen seiner Krankheit nicht transportfähig ist. Als er im September 1942 stirbt, muss die Witwe mit ihrer baldigen Deportation rechnen. Freunde raten ihr dringend zur Flucht. Einem von ihnen, Arthur Veit, gelingt es, Susanne Meyer einen Geburts- und Taufschein auf den Namen Charlotte Klose zu beschaffen.

Für Susanne Meyer beginnt damit eine Odyssee von Quartier zu Quartier. Ihre zahlreichen Helferinnen und Helfer gehören unterschiedlichen Milieus an. Mit einigen steht sie durch den Ullstein-Verlag schon seit Jahren in Verbindung, andere sind ihr gänzlich unbekannt. Nach Aufenthalten in der Nähe von Landsberg an der Warthe und in Düsseldorf gelangt die Witwe durch die Vermittlung eines Freundes, des ehemaligen Pressezeichners und Sozialdemokraten Alois Florath nach Kagar, einem Dorf bei Rheinsberg in Brandenburg.

Einige Monate im Jahr 1944 verbringt Susanne Meyer auch bei einer Ärztin in Berlin. Als die Bombenangriffe in der Metropole zu stark werden, kommt sie erneut in Kagar unter.

Nach der Befreiung Ende April 1945 kehrt Susanne Meyer eilig nach Berlin zurück, wo sie ihren Sohn, inzwischen britischer Soldat, wieder in die Arme schließen kann. Am 7. Juli 1945 heiratet sie ihren Helfer Arthur Veit. Das Ehepaar verbringt die ersten Nachkriegsjahre in West-Berlin, dann siedeln Veits nach Orselina in die Schweiz über. Susanne Veit stirbt dort 1987 im Alter von 85 Jahren.

Biografische Literatur:
Beate Kosmala: Zuflucht für Verfolgte: Kagar bei Rheinsberg, in: Peter Böthig und Stefanie Oswald (Hrsg.): Juden in Rheinsberg. Eine Spurensuche, Karwe 2005, S. 163–170.
Beate Kosmala: Solidarität mit verfolgten Kollegen – Die Rettung von Susanne Meyer, in: Egon Bannehr, Bernd-Ingo Drostel u.a. (Hrsg.): Die Eule lässt Federn. Das Ullsteinhaus 1926-1986. Setzer, Drucker, Journalisten, 2. überarbeitete Auflage, Berlin 2012, S. 94–100.
Susanne Meyer (Veit)
Foto: Privatbesitz

Rettungsversuche