Liselotte Pereles (1906 - 1970)

Die 1906 als Tochter eines jüdischen Kaufmanns in Berlin geborene Erzieherin Liselotte Pereles muss 1933 ihre Stellung als Leiterin eines Ausbildungshortes am Berliner Pestalozzi-Fröbel-Haus aufgeben. Ab 1934 leitet die ledige Frau einen Kinderhort der Jüdischen Gemeinde in Berlin-Kreuzberg. Um 1942 wird ihr die Pflegschaft für das elternlose jüdische Mädchen Susanne Manasse übertragen, dessen Mutter gestorben und dessen Vater nach KZ-Haft aus Deutschland fliehen musste. Wegen ihrer Arbeit in der Jüdischen Gemeinde wird Liselotte Pereles zunächst von den Deportationen zurückgestellt, läuft aber ständig Gefahr, diesen Schutz zu verlieren.

Eine Freundin bringt sie um die Jahreswende 1942/43 mit der Quäkerin Elisabeth Abegg in Kontakt, die sich entschlossen hat, Verfolgte vor der Gestapo zu schützen. Abegg rät Pereles dringend, sich mit dem Kind bei ihr zu verstecken, bevor es zu spät ist. Am 1. Februar 1943 wird Liselotte Pereles am Arbeitsplatz festgenommen. Sie kann anschließend aus dem Sammellager entkommen, Abegg von ihrer Flucht informieren und auch das Kind noch zu sich nehmen. Abegg bringt sie mit ihrer früheren Schülerin und Mitstreiterin Hildegard Knies in Berlin-Charlottenburg zusammen, bei der sich Liselotte Pereles verstecken kann. Das Mädchen wird zu seiner nichtjüdischen Tante Bertha Becker gebracht.

Liselotte Pereles, die sich nun „Lilo Koch“ nennt, kann sich einen Postausweis zur notdürftigen Absicherung ihrer falschen Identität besorgen. Doch muss sie ihre illegalen Quartiere häufiger wechseln. Bis zur Befreiung versteckt sie sich zwei Jahre lang abwechselnd bei Hildegard Knies, Elisabeth Abegg und deren Schwester Julie, sowie bei Abeggs Kollegin Elisabeth Schmitz und deren Freundin Lydia Forsström. Für kurze Zeit hält sie sich auch bei der Schneiderin Margrit Dobbeck, einer Bekannten Abeggs, im Elsass auf.

Nach dem Krieg ist Liselotte Pereles als Fürsorgerin beim Bezirksamt Berlin-Tempelhof tätig. Lebenslang bleibt sie mit Elisabeth Abegg eng befreundet und zieht in deren Nähe. Die ledige und kinderlose Studienrätin nimmt Liselotte Pereles als Zeichen ihrer Verbundenheit als ihre Tochter an. Nach ihrem Tod im Jahr 1970 wird Liselotte Pereles in der Berliner Grabstelle der Familie Abegg beigesetzt.

Biografische Literatur:
Liselotte Pereles: Die Retterin in der Not, in: Kurt R. Grossmann: Die unbesungenen Helden. Menschen in Deutschlands dunklen Tagen, Berlin, Wien 1984, S. 85–93.
Liselotte Pereles
Foto: Privatbesitz

Biografien

Rettungsversuche

Glossar

  • Quäker

    Quäker

    Die ab 1746 in England entstandene „Religiöse Gesellschaft der Freunde“ (Quäker) ist eine christlich fundierte Laiengemeinschaft. Ihre Lehre vom „inneren Licht“ Gottes in jedem Menschen verpflichtet sie zu Gewaltlosigkeit, ungeteilter Menschenliebe und Hilfe für Notleidende. Der 1925 gegründete deutsche Zweig mit fast 300 Mitgliedern wird von 1933-1945 überwacht, sein Eigentum z.T. beschlagnahmt.