Ilse Rewald (1918 - 2005)

Ilse Basch wird 1918 in Berlin als Tochter jüdischer Eltern geboren und wächst mit ihrem zwei Jahre jüngeren Bruder Josef behütet auf. Ihr Vater Georg Basch ist Tierarzt in Berlin-Friedrichshain und unterhält eine eigene Praxis. 1929 stirbt er überraschend. Ilse würde gerne das Abitur machen und studieren, doch als Jüdin muss sie 1935 das Sophien-Lyzeum verlassen. Sie macht eine Ausbildung an der jüdischen Handelsschule. Danach arbeitet sie als Sekretärin bei einem jüdischen Rechtsanwalt, bis dieser emigriert.

1935 lernt sie Werner Rewald kennen, einen jüdischen Innenarchitekten aus Köln, der nur noch als Polsterer arbeiten kann. Nach dem Novemberpogrom 1938 heiratet das Paar. Ein Rabbiner traut sie in der mütterlichen Wohnung in Berlin-Charlottenburg, weil die Synagogen zerstört sind. Sie bemühen sich zu emigrieren, doch letztlich scheitern ihre Pläne. Nur ihrem Bruder gelingt vor Kriegsbeginn 1939 die Ausreise nach England.

Ab 1941 wird Ilse Rewald in dem Rüstungsbetrieb „Deutsche Benzinuhren“ im Bezirk Kreuzberg zur Zwangsarbeit verpflichtet. Ihr Mann ist dem Gleisbau bei der Reichsbahn zugeteilt worden. Als ihre Mutter Margarete Basch und deren Schwester im Januar 1942 die Aufforderung zur Deportation erhalten, will sich Ilse Rewald freiwillig melden. Ihr Betrieb lässt sie jedoch nicht gehen. Mutter und Tante werden nach Riga deportiert. Vor dort gelingt es ihrer Mutter, zwei kurze Nachrichten an Ilse Rewald in Berlin zu schmuggeln. Seitdem weiß sie, wie furchtbar dieser Zielort der Deportation ist. Rewalds beobachten die gnadenlosen und undurchschaubaren Aufrufe zur Deportation genau und ahnen, dass auch sie irgendwann „an der Reihe“ sind. Ihre Freunde Elli und Paul Fromm, ein „Mischehepaar“, raten ihnen zum Untertauchen. Sie können aber nur Werner Rewald bei sich unterbringen. Am 11. Januar 1943 verlassen Ilse und Werner Rewald ihre Wohnung. Ilse Rewald findet in letzter Sekunde ein eigenes Quartier.

Nach einiger Zeit gelingt es dem Ehepaar, falsche Papiere zu bekommen. Um Geld zu verdienen, nimmt Ilse Rewald Haus- und Schreibarbeiten an, die dem Arbeitsamt nicht gemeldet werden müssen. Da Lebensmittel schwierig zu beschaffen sind, leidet sie im Laufe der Zeit unter Mangelerscheinungen. Im Januar 1944 verliert Ilse Rewald ihr Quartier, weil die Wohnung ihrer Helferin durch Bomben zerstört wird. Nach Wochen großer Unsicherheit in einem Notquartier findet das Ehepaar Rewald im Frühjahr 1944 gemeinsam zu dem Komponisten Hanning Schröder in Berlin-Zehlendorf. Vor dem dort einquartierten Wehrmachtoffizier müssen sich alle in Acht nehmen. Trotz etlicher gefährlicher Situationen erleben sie Ende April 1945 gemeinsam das Kriegsende.

Aufgrund ihrer Erfahrung mit ihren mutigen Helfern wandert Ilse Rewald nicht, wie viele andere Überlebende, nach der Befreiung aus. 1958 schreibt sie ihre Überlebensgeschichte auf, die 1965 erstmals veröffentlicht wird. Die positive Resonanz ermutigt sie, ab den 1970er Jahren in Schulen und in der Öffentlichkeit darüber zu berichten, wie sie und ihr Mann die NS-Zeit als Untergetauchte überlebten.

Biografische Literatur:
Ilse Rewald: Der Preis des Überlebens, in: Ulrich Eckhardt und Andreas Nachama: Jüdische Berliner. Leben nach der Schoa, Berlin 2003,
S. 189–207.
Ilse Rewald
Foto: Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Biografien

Rettungsversuche

Glossar

  • „Mischehen“

    „Mischehen“

    Ehen zwischen Partnern jüdischer und nichtjüdischer Herkunft werden mit dem „Blutschutzgesetz“ vom 15.9.1935 verboten. Bestehende Ehen werden toleriert. Je nach Konfession der Kinder werden „privilegierte“ und „einfache Mischehen“ unterschieden. Anfangs von den Deportationen ausgenommen, wird die Situation ab 1943 unsicherer. In einigen Regionen werden „Mischehe“-Partner deportiert