Hanning Schröder (1896 - 1987)

Hanning Schröder wird 1896 als Sohn eines Kapitäns in Rostock in eine musikliebende Familie geboren. Als junger Soldat kämpft er im Ersten Weltkrieg. Danach studiert er in Jena, München und Freiburg zuerst Medizin, dann Musikwissenschaft sowie Violine und Bratsche. Ab Mitte der 1920er Jahre spielt er in verschiedenen Ensembles und ist später in Berlin an Theatern, beim Rundfunk und Film tätig.

1929 heiratet er die aus einer jüdischen Familie stammende Musikwissenschaftlerin Dr. Cornelia Auerbach. 1934 wird ihre gemeinsame Tochter Nele geboren. Anfang der 1930er Jahre gibt Hanning Schröder im „Harlan-Trio“ – gemeinsam mit seiner Frau und dem Instrumentenbauer Peter Harlan – etliche Konzerte. Bis 1933 arbeitet er mit Paul Dessau und Hanns Eisler zusammen, bis diese wegen Hitlers Machtübernahme emigrieren.

1935 wird das Ehepaar Schröder aus der Reichsmusikkammer ausgeschlossen. Hanning Schröder erhält jedoch als Bratschist Sondergenehmigungen für Theater- und Filmorchester.
Er ist genau wie seine Frau gegen die nationalsozialistische Diktatur eingestellt. Dies ist auch der Gestapo bekannt, die Schröders Haus in Berlin-Zehlendorf mehrmals durchsucht. Die Verfolgung der Juden beobachten beide voller Sorge. Durch die familiären Verbindungen von Cornelia Schröder zur Familie Harnack erfahren sie von Arvid Harnacks führender Beteiligung an der Widerstandsgruppe „Rote Kapelle“ und seiner Hinrichtung im Dezember 1942. Sie wissen, dass sie vorsichtig sein müssen, halten jedoch den Kontakt zu ihren jüdischen Freunden und Verwandten weiter aufrecht.

Als Hanning und Cornelia Schröder Ende 1943 von dem untergetauchten Ehepaar Rewald erfahren, lassen sie Werner Rewald einige Reparaturarbeiten in ihrem Haus durchführen, um ihn finanziell zu unterstützen. Im Frühjahr 1944, als Rewalds keine Bleibe mehr haben, nimmt Hanning Schröder sie ohne Zögern bei sich auf. Cornelia Schröder, die wegen ihrer jüdischen Herkunft und der Luftangriffe mit ihrer Tochter nach Mecklenburg gezogen ist, schickt von dort Lebensmittel für die Versorgung der Untergetauchten.

Im Januar 1945 soll Hanning Schröder zum Volkssturm eingezogen werden. Ilse Rewald tarnt sich als UFA-Sekretärin und bekommt ihn aufgrund einer fingierten Reklamation frei. Hanning Schröder erlebt Ende April 1945 mit den beiden Schützlingen das Kriegsende in seinem Haus. Bis Rewalds eine eigene Bleibe finden, wohnen sie weiter bei ihm. Sie beziehen dann ein Haus in der selben Straße und sind bis zu ihrem Lebensende freundschaftlich mit Schröders verbunden.

Hanning Schröder arbeitet im Ostteil Berlins, wohnt aber weiterhin in West-Berlin. 1957 komponiert er das Musikstück für vier Instrumente „In Memoriam: Lied der Moorsoldaten“. Das Leid und der Mut der NS-Gegner in den Konzentrationslagern hat ihn tief bewegt. Nach dem Bau der Mauer 1961 arbeitet er als freischaffender Komponist im Westteil Berlins.

1978 wird er auf Vorschlag von Ilse und Werner Rewald von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt. Seit Mai 2002 erinnert eine Gedenktafel an dem Zehlendorfer Haus im Quermatenweg 148 an den mutigen Einsatz von Hanning und Cornelia Schröder für das Ehepaar Rewald.

Biografische Literatur:
Ilse Rewald: Der Preis des Überlebens, in: Ulrich Eckhardt und Andreas Nachama: Jüdische Berliner. Leben nach der Schoa, Berlin 2003, S. 189–207.
Hanning Schröder
Foto: Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Biografien

Rettungsversuche

Glossar

  • „Mischehen“

    „Mischehen“

    Ehen zwischen Partnern jüdischer und nichtjüdischer Herkunft werden mit dem „Blutschutzgesetz“ vom 15.9.1935 verboten. Bestehende Ehen werden toleriert. Je nach Konfession der Kinder werden „privilegierte“ und „einfache Mischehen“ unterschieden. Anfangs von den Deportationen ausgenommen, wird die Situation ab 1943 unsicherer. In einigen Regionen werden „Mischehe“-Partner deportiert