Hildegard Spieth (1919 - 1999)

Hildegard Wolpert, 1919 in Stuttgart geboren, wächst in einem christlich geprägten Elternhaus auf und besucht eine Diakonieschule. 1941 heiratet sie Helmut Spieth (1910–1979), seit 1936 Pfarrer in Stetten im Remstal (Württemberg). Da er bereits 1940 zum Kriegsdienst eingezogen wird, muss Hildegard Spieth das Pfarramt mit Hilfe auswärtiger Pfarrer allein organisieren. Im Februar 1945 wird sie von einem Kollegen ihres Mannes, Otto Mörike, gefragt, ob sie ein untergetauchtes jüdisches Ehepaar für ein paar Tage aufnehmen würde. Trotz der Gefahr und der Sorge um ihr kleines Kind ist die 24-jährige Pfarrfrau dazu bereit. Am 10. April kommen Max und Ines Krakauer in Begleitung von Dekan Hermann Zeller aus Waiblingen ins Stettener Pfarrhaus. Dort sind bereits zwei ausgebombte Familien einquartiert.

Hildegard Spieth gibt das jüdische Ehepaar als „Bombengeschädigte aus Berlin“ aus. Noch wird in der Gegend heftig gekämpft, die SS hält Standgerichte ab. Als wenige Tage vor dem Einmarsch der Amerikaner im Pfarrhaus verwundete Soldaten untergebracht werden sollen, hätte dies zur Enttarnung der Versteckten geführt. Eine Mitbewohnerin, die weiß, dass es sich bei den Fremden um Juden handelt, fordert Hildegard Spieth auf, Krakauers wegzuschicken. Doch sie weigert sich. Zur Einquartierung der deutschen Soldaten kommt es glücklicherweise nicht mehr. Nach 27 Monaten auf der Flucht werden Max und Ines Krakauer am 21. April 1945 in Stetten befreit.

Erst 1948 kehrt Helmut Spieth aus englischer Kriegsgefangenschaft heim. 1952 übersiedelt die Familie nach Fellbach bei Stuttgart, wo Hildegard Spieth bis zu ihrem Tod 1999 lebt. 1979 erhält sie das Bundesverdienstkreuz, und seit 2004 erinnert eine Gedenktafel am Pfarrhaus in Stetten an ihre mutige Tat.
Hildegard Spieth
Foto: Privatbesitz

Biografien

Rettungsversuche

Glossar

  • "Bombengeschädigte"

    "Bombengeschädigte"

    Ab 1943 verlieren immer mehr Menschen durch Luftangriffe ihre Wohnungen. Viele untergetauchte Juden versuchen diesen Umstand zu nutzen. Sie geben sich als „Bombengeschädigte“ aus und erhalten von den Behörden, die die Angaben aufgrund vernichteter Unterlagen nicht mehr überprüfen können, „arische“ Papiere oder Lebensmittelmarken. Dies verbessert die Überlebenschancen der Verfolgten deutlich.