Mathilde Stoltenhoff (Herbst) (1897 - 1998)

Die Medizinerin Dr. Mathilde Stoltenhoff, 1897 als Mathilde Krause in Kassel geboren, tritt 1933 in die NSDAP ein, um ihre private Nervenklinik in Dresden weiterführen zu können. Nach ihren Aussagen habe sie sich unter Druck zu diesem Schritt entschlossen, denn ihr damaliger Ehemann hat bis 1933 einer sozialistischen Ärztevereinigung angehört. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird ihr von jüdischen und nichtjüdischen Zeugen bescheinigt, sie habe damit verfolgten Patienten helfen wollen.

1939 lässt sich die Mutter von zwei Töchtern nach ihrer Scheidung als praktische Ärztin in Berlin nieder. Sie verkehrt nun mit Medizinern, Künstlern und Journalisten, die NS-Gegner sind. Auf Bitte des ehemaligen Pressezeichners und Sozialdemokraten Alois Florath, der zu diesem antifaschistischen Kreis gehört, nimmt sie 1944 die Jüdin Susanne Meyer für einige Monate bei sich auf.

Die Ärztin bewohnt ein kleines Einfamilienhaus in Berlin-Lichterfelde-Ost, wo sie auch ihre Praxisräume hat. Dass sie Susanne Meyer beherbergt, ist nicht ungefährlich, da sie 1941 ihre Stellung als Vertrauensärztin der Landesversicherungsanstalt aus politischen Gründen verloren hat. Vor allem fühlt sie sich in ihrer Nachbarschaft von einem Redakteur der NS-Zeitung „Völkischer Beobachter“ kontrolliert, der als „Siedlungsspitzel“ und Blockwart mehrere Leute ins KZ gebracht habe.

Susanne Meyer hilft der Ärztin nach Kräften im Haushalt und in der Praxis. Die beiden Frauen verstehen sich gut. Unermüdlich kümmern sie sich um die durch Luftangriffe Verletzten. Bei Alarm kann Susanne Meyer aber nicht in die sicheren öffentlichen Luftschutzkeller mitgehen, sondern muss allein im Keller des Einfamilienhauses ausharren. Deshalb kehrt sie nach einiger Zeit wieder zu ihren Helfern nach Brandenburg zurück.

Nach 1945 lebt die Ärztin, die nach erneuter Heirat Mathilde Herbst heißt, in Westfalen und praktiziert noch im Alter von 78 Jahren. 1979 erhält sie auf Initiative von Susanne Veit (früher Meyer) für ihre mutige Hilfe 1944 das Bundesverdienstkreuz. Mathilde Herbst stirbt 1998 im Alter von 100 Jahren.
Mathilde Stoltenhoff (Herbst)
Foto: Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Rettungsversuche

Glossar

  • NSDAP

    NSDAP

    1920 verkündet Adolf Hitler in München das antidemokratische und rassistische Programm der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (1919 als Deutsche Arbeiterpartei gegründet). Politische Bedeutung erlangt die vom „Führer“ autoritär organisierte NSDAP in der Wirtschafts- und Staatskrise um 1930. Nach 1933 ist sie einzige Partei. Bis 1945 werden 8,5 Mio. Deutsche „Parteigenossen“.