Herta Zerna (1907 - 1988)

Herta Zerna wird 1907 als Tochter des Schlossers Paul Zerna und seiner Frau Anna in Berlin-Moabit geboren. Sie wächst mit dem ein Jahr jüngeren Bruder Fritz auf. Beide Eltern sind aktive Sozialdemokraten. Mit 14 Jahren engagiert sich auch Herta in der Arbeiterjugend der SPD. Dass viele der Freunde dort jüdischer Herkunft sind, wird ihr erst nach 1933 bewusst.

Nach der Mittleren Reife ist sie als Bürokraft tätig und besucht Fortbildungskurse der SPD. Ende 1929 zieht sie nach Erfurt und arbeitet als Redakteurin für SPD-Zeitungen in Thüringen. Als ihr im Herbst 1930 in Ilmenau aus politischen Gründen eine vierwöchige Haftstrafe droht, flüchtet sie zurück nach Berlin. Nur noch gelegentlich kann sie Artikel für die SPD-Presse schreiben. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 versteckt Herta Zerna zusammen mit ihrer Mutter ihren eigenen Bruder Fritz und dessen Frau, die von der Gestapo aus politischen Gründen verfolgt werden. Das Ehepaar entkommt 1934 nach Frankreich.

Als ehemalige SPD-Redakteurin erhält Herta Zerna nach 1933 keine Anstellung mehr im gleichgeschalteten NS-Pressewesen. Wegen der Flucht des Bruders wird sie Ende 1934 aus der Reichspressekammer ausgeschlossen. Sie schreibt nun als freie Mitarbeiterin für Lokalredaktionen und steht unter Gestapo-Beobachtung. Dennoch hält sie bis etwa 1937 Kontakt zu einer sozialdemokratischen Widerstandsgruppe in Thüringen. Ende 1939 gewährt Herta Zerna erstmals dem Sozialdemokraten Otto Suhr und seiner jüdischen Frau Susanne Unterschlupf in ihrer engen Schöneberger Wohnung. Seit 1941 arbeitet sie gelegentlich für die Wirtschaftsnachrichten im Haus des Rundfunks.

Bei einer Bekannten lernt die Journalistin zufällig die Jüdin Margot Moses kennen und bietet ihr für den Notfall ihre Hilfe an. Als diese 1942 eines Nachts vor ihrer Tür steht, nimmt sie die Verfolgte auf. Herta Zerna bringt Margot Moses abwechselnd bei sich und Freunden unter und vermittelt sie unter dem Namen „Frau Hedder" als Stenotypistin in das Haus des Rundfunks. Als 1943 ihre Schöneberger Wohnung durch Bomben zerstört wird, zieht Herta Zerna mit ihrer Mutter ins brandenburgische Kagar bei Rheinsberg, wo sie 1939 ein kleines Bauernhaus an der Dorfstraße erworben hat. Besonders in den letzten schweren Kriegswochen helfen die beiden Frauen der Jüdin Susanne Meyer, die sich tagsüber oft in ihrem Haus versteckt, da man im Dorf glauben soll, sie sei der Arbeit wegen in Berlin. Gleichzeitig versteckt Herta Zerna einen flüchtigen Deserteur.

Nach Kriegsende lebt Herta Zerna wieder in West-Berlin. Bis 1951 kann sie erneut als Journalistin für die SPD-Presse arbeiten. Danach ernährt sie sich mühsam von ihrer Schriftstellerei. 1962 wird sie vom Berliner Senat als „Unbesungene Heldin" geehrt. Sie stirbt 1988 im Alter von 81 Jahren.

Biografische Literatur:
Herta Zerna: Ich bin eine unbesungene Heldin. Ballade vom kleinen Widerstand oder: Die Banalität des Guten, in: Journalist, 1965, S. 37–41.
Herta Zerna
Foto: Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Rettungsversuche

Glossar

  • SPD

    SPD

    Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands, hervorgegangen aus der Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts, wird 1890 gegründet. Die SPD ist nach 1918 eine Säule der Weimarer Demokratie. 1933 lehnt ihre Reichstagsfraktion Hitlers „Ermächtigungsgesetz“ einstimmig ab. Danach werden führende SPD-Mitglieder verfolgt, viele emigrieren.