Getarnt überlebt – aus Polen nach Berlin 

Donata Helmrich ist seit 1933 mit Eberhard Helmrich, einem Berliner Landwirtschaftsexperten, verheiratet. Beide lehnen das NS-Regime konsequent ab und unterstützen nach 1933 ihre jüdischen Freunde, etwa bei der Emigration. Im Sommer 1941 wird Eberhard Helmrich als Leiter der Lebensmittel- und Landwirtschaftsverwaltung in die deutsch besetzte polnische Stadt Drohobycz nahe Lemberg dienstverpflichtet. Er versucht die Not der jüdischen Bevölkerung zu lindern, indem er Lebensmittel ins Ghetto schmuggelt. Im Frühjahr 1942 wird auf seinen Vorschlag das Zwangsarbeitslager Hyrawka eingerichtet, in dem Obst und Gemüse zur Versorgung der örtlichen SS angebaut wird. Helmrich nutzt seinen Einfluss, um die etwa 200 jüdischen Frauen und Männer „seines“ Lagers zu schützen und dafür zu sorgen, dass die Arbeits- und Lebensbedingungen einigermaßen erträglich sind. Bei Razzien durch die SS verbirgt er Juden in seinem Haus. Als Hyrawka im September 1943 gewaltsam aufgelöst wird, verhilft er zahlreichen Verfolgten zur Flucht.

Im Herbst 1942 schleust er mehrere Jüdinnen aus Drohobycz, für die er falsche Papiere als christliche Ukrainerinnen besorgt, zu seiner Frau nach Berlin. Sie nimmt die Verfolgten – darunter Anita Brunnengraber und Melania Reifler – trotz der Sorge um ihre eigenen Kinder bei sich in Berlin-Charlottenburg auf. Als Nachbarn misstrauisch werden, muss ein neues Quartier gefunden werden. Da viele Familien günstige Haushaltshilfen suchen, vermittelt Donata Helmrich die jungen Frauen als vermeintliche christliche Ukrainerinnen, die im Gegensatz zu Polinnen als Hauspersonal arbeiten „dürfen“. Zuvor muss beim Arbeitsamt eine entsprechende Genehmigung beantragt werden. Dann haben sich die „Ukrainerinnen“ einer amtlichen Eignungsprüfung samt Kopfvermessung zu unterziehen. Sie müssen aufpassen, dass sie sich bei ihren vermeintlichen Landsleuten nicht durch ihre Sprache verraten und bei den Ausweiskontrollen der Polizei nicht die Nerven verlieren. Auch die deutschen Familien dürfen nicht erfahren, wer ihr neues Hausmädchen in Wirklichkeit ist.

Listig und unerschrocken hilft Donata Helmrich auch jüdischen Bekannten aus Berlin, indem sie sie versteckt oder Meldepapiere fälscht. Mehrmals „verliert“ sie ihren Ausweis und stellt ihn Verfolgten zur Verfügung, so etwa der untergetauchten Herta Pineas, die nach Süddeutschland fliehen will. „Wenn wir beide zwei Menschenleben retten, sind wir quitt mit Hitler, und jedes zusätzliche Leben ist ein Reingewinn,“ lautete Donata und Eberhard Helmrichs Einstellung. Geschätzt wird, dass sie zwischen 70 und bis zu 300 Verfolgten geholfen haben.

1965 wird Eberhard Helmrich von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechter unter den Völkern“ ausgezeichnet. 1986 erhält auch Donata Helmrich postum diesen Ehrentitel.

Literatur:
Cornelia Schmalz-Jacobsen: Zwei Bäume in Jerusalem. Ein Zeugnis außergewöhnlichen Mutes im Nationalsozialismus, München 2002.