Hilfe im Betrieb 

Der gelernte Metalldreher Wilhelm Daene ist als Sozialdemokrat bis 1933 gewerkschaftlich in Thüringen aktiv. Seit 1935 arbeitet er bei der Maschinenfabrik Alfred Teves in Berlin-Wittenau, wo er ab Oktober 1941 als Werkmeister für jüdische Zwangsarbeiterinnen zuständig ist. Daene behandelt sie nicht nur menschlich, sondern nutzt seine Position, um ihre große Not zu lindern. Er besorgt ihnen über die Fabrik zusätzliche Nahrungsmittel. Auch der Betriebsarzt ist kein Nationalsozialist und erklärt sich auf Daenes Bitte bereit, erkrankte Jüdinnen zu behandeln. Ab Mitte 1942 beobachtet Daene die zunehmenden Deportationen, und reklamiert „seine“ Frauen als kriegswichtige Arbeitskräfte, damit sie bleiben können. Bis zur „Fabrik-Aktion“ Ende Februar 1943 hat er damit Erfolg.

Der Zwangsarbeiterin Lotte Markiewicz hilft er 1942, sich in einem abgeschirmten Bereich der Werkshalle von einem Nervenzusammenbruch zu erholen. Charlotte Josephy rettet er im selben Jahr vor einer Anzeige wegen unbefugten Telefonierens, die ihre sofortige Deportation zur Folge gehabt hätte. Als sie untertaucht, hält er Kontakt zu Josephy und berät sie bei wichtigen Entscheidungen. Für Emilie Isaak arbeitet er einen Rettungsplan aus, der sie – als belgische Zivilarbeiterin getarnt – in ihrer angeblichen Heimat überleben lässt. Dafür besorgt ihr Daene einen belgischen Pass und ändert ihn entsprechend um. Den Zwangsarbeiter Felix Luxenburg bewahrt er davor, während der „Fabrik-Aktion“ am 27. Februar 1943 im Betrieb gefasst und abtransportiert zu werden. Auch zu ihm hält Daene Kontakt, als er danach im Untergrund lebt.

Zusammen mit seiner Frau Margarete, mit der er seit 1936 verheiratet ist, versteckt er drei Jüdinnen bei sich zu Hause. Auch seine Schwiegereltern Klara und Ernst Rentsch, in deren Haus die Familie Daene in Berlin-Konradshöhe wohnt, helfen tatkräftig mit. Ihr großer Nutzgarten und ihre Geflügelzucht helfen sehr, die Frauen zu ernähren. Die Untergetauchten Lola Alexander und Ursula Finke können tagsüber unter falschem Namen in Margarete Daenes Leihbüchereien arbeiten. Anfang August 1944 lauert ein Gestapo-Spitzel am S-Bahnhof Gesundbrunnen Ursula Finke auf, worauf sie sich in Todesangst vor einen einfahrenden Zug wirft. Schwer verletzt wird sie im Jüdischen Krankenhaus bis zum Kriegsende behandelt.

Im August 1944 wird Wilhelm Daene wegen seiner Teilnahme an einer betrieblichen Widerstandsgruppe verhaftet. Die beiden Schützlinge Lola Alexander und Gerda Lesser müssen überstürzt in Ausweichquartiere fliehen. Ende August 1944 wird Gerda Lesser dennoch festgenommen, im September nach Theresienstadt und später nach Auschwitz deportiert und ermordet. Lola Alexander kehrt im Herbst 1944 zu Margarete Daene und ihrer Arbeit in der Leihbücherei zurück.

Im Prozess vor dem „Volksgerichtshof“ wird Wilhelm Daene im Dezember 1944 zwar freigesprochen, aber aus Furcht vor weiteren Verfolgungen durch die Gestapo taucht er bis zum Kriegsende unter. Durch die phantasiereiche und unablässige Hilfe von Margarete und Wilhelm Daene überleben die meisten ihrer Schützlinge.

Literatur:
Kurt R. Grossmann: Die unbesungenen Helden. Menschen in Deutschlands dunklen Tagen, Berlin, Wien 1984, S. 32–48.