Die 1911 geborene Ilse Lewin wuchs in Berlin auf. Die Möglichkeit, nach England zu emigrieren, nahm sie nicht wahr, um ihre Mutter Gretha Lewin nicht allein zu lassen. Ab September 1940 musste Ilse Lewin bei Siemens Zwangsarbeit leisten.
Nach der Deportation ihrer Mutter Ende 1942 beschloss Ilse Lewin, sich selbst dem drohenden Abtransport zu entziehen. Vor der Großrazzia in Berlin, bei der am 27. Februar 1943 alle Juden in Berlin, vor allem aus den Rüstungsbetrieben, verhaftet und deportiert werden sollten, wurde sie von ihrer Freundin Greta Schellwort gewarnt. Diese arbeitete als Ärztin im Polizeikrankenhaus und hatte entsprechende Gerüchte gehört.
Bekannte in Strausberg nahmen Ilse Lewin zunächst auf. Danach hatte sie bis Mitte 1944 kein festes Quartier mehr. Ilse Lewin lebte von Lebensmitteln, die ihr Greta Schellwort zusteckte. Als Aufwartefrau bei einem Schneider konnte sie etwas Geld verdienen, bis dieser, ihre Notlage ausnutzend, sie sexuell bedrängte. Von ihrer Bekannten Vera Freyer erhielt Ilse Lewin falsche Papiere und konnte sich einen Postausweis auf diesen Namen organisieren. Eine andere nichtjüdische Freundin, Ilse Glondajewski, verhalf Ilse Lewin im Sommer 1944 zu einem Unterschlupf im Bezirk Prenzlauer Berg, wo sie bis Kriegsende bleiben konnte.
Später heiratete sie ihren Jugendfreund Günter Stillmann, der 1948 aus Palästina zurückkehrte. Ilse Stillmann arbeitete seit 1954 im Kinderbuchverlag in Ost-Berlin, wo sie 1988 starb.
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