Eugen Herman – Getarnt als Hitlerjunge

Eugen Herman ist 16 Jahre alt, als er Anfang 1943 in Berlin untertaucht. Sein Stiefvater Julius Friede kann ihm dabei helfen, weil er kein Jude ist. Er kümmert sich um Unterkünfte bei Verwandten und Bekannten.

Zwei Jahre lang muss Eugen Herman in Verstecken ausharren. Mehrfach wechselt er das Quartier. Im August 1943 kommt er zu Familie Winkler nach Luckenwalde bei Berlin. Von Winklers Sohn Horst kann er sich manchmal dessen Uniform der „Hitler-Jugend“ leihen. Damit fällt er auf der Straße nicht auf.

Die Winklers helfen auch anderen Verfolgten. Mit dem Juden Werner Scharff gründet Hans Winkler eine Widerstandsgruppe: die Gemeinschaft für Frieden und Aufbau. Eugen Herman beteiligt sich an ihren Aktionen. Die Gruppe druckt und verschickt Flugblätter. Sie beschafft außerdem falsche Papiere für Untergetauchte. 1944 spürt die Gestapo Mitglieder der Gruppe auf und nimmt auch Eugen Herman und seine Eltern fest. Kurz vor Kriegsende, am 23. April 1945, seinem 19. Geburtstag, wird Eugen Herman entlassen.

Gedenkstätte Deutscher Widerstand
Eugen Herman in HJ-Uniform
Gedenkstätte Deutscher Widerstand/Braun Engels Gestaltung Ulm
Aufenthaltsorte und Verstecke

Judenverfolgung in Berlin

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 werden die über 500.000 deutschen Jüdinnen und Juden Schritt für Schritt entrechtet und ausgegrenzt. 160.000 von ihnen leben in Berlin, davon kann etwa die Hälfte Deutschland bis Kriegsbeginn verlassen. Ab 1938 müssen Berliner Jüdinnen und Juden Zwangsarbeit leisten. Im Oktober 1941 beginnen die Deportationen. Viele versuchen, sich der Bedrohung durch Untertauchen zu entziehen. Mehr als 1.700 können in Berlin in der Illegalität überleben.

Privatbesitz
Jüdische Schüler als Zwangsarbeiter
Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin, 30029918
Bahnhof Putlitzstraße
Jüdisches Museum Berlin, Sammlung Harry Kindermann, JMB FOT92/13/9
Eugen Herman
Privatbesitz
Vor der Schule

Ein Jugendlicher taucht unter

Der 16-jährige Eugen Herman lebt mit seiner Mutter und dem nichtjüdischen Stiefvater in Berlin-Kreuzberg. Als ein Gestapobeamter ihn Ende Januar 1943 auf der Straße schikaniert, rät sein Stiefvater ihm, sofort unterzutauchen. Julius Friede befürchtet die Deportation seines Stiefsohns und besorgt ihm ein Versteck bei Bekannten. Bei der Polizei meldet er ihn als vermisst. Nach zwei Wochen muss Eugen Herman erstmals das Versteck wechseln.

Privatbesitz, Foto: Georg Engels
Fotoalbum von Eugen Herman
Privatbesitz
Eugen Herman bei Familie Horn

Widerstandsgruppe Gemeinschaft für Frieden und Aufbau

Im Herbst 1943 gründen Eugen Hermans Helfer Hans Winkler und der ebenfalls zeitweise bei ihm untergetauchte Werner Scharff eine Widerstandsgruppe. Die bis zu 30 Mitglieder der Gemeinschaft für Frieden und Aufbau stammen aus dem Freundeskreis der beiden Gründer. Sie helfen untergetauchten Jüdinnen und Juden und verfassen Flugblätter, in denen sie zum Widerstand gegen das NS-Regime auffordern. Eugen Herman beteiligt sich an der Verbreitung der Flugblätter. Im Herbst 1944 werden zahlreiche Mitglieder der Gruppe durch die Gestapo festgenommen.

Gedenkstätte Deutscher Widerstand
Gemeinschaft für Frieden und Aufbau
Privatbesitz
Werner Scharff
Privatbesitz
Fancia Grün
Gedenkstätte Deutscher Widerstand/Privatbesitz
Hans und Frida Winkler

 

„Ich war froh, etwas zu tun, anstatt den ganzen Tag Däumchen zu drehen. … Im Laufe der Zeit haben wir Tausende von Kettenbriefen in ganz Deutschland versandt.“

Eugen Herman-Friede in einem Interview 2012

Gedenkstätte Deutscher Widerstand
Flugblatt
Privatbesitz
Eugen Herman, Julius Friede
Privatbesitz
Anja und Julius Friede
Privatbesitz
Eugen Herman und Anja Friede