Gertrud Siemsen, genannt Gertie, legt 1927 das Abitur in Frankfurt am Main ab. Danach wird sie Stenotypistin. Ab 1928 studiert sie in Frankfurt Nationalökonomie, Geschichte, Psychologie und Philosophie. Während ihres Studiums arbeitet sie als Assistentin für Professoren wie Theodor W. Adorno. 1933 beendet sie ihr Studium mit Promotion.
1941 zieht Gertie Siemsen nach Berlin und arbeitet als Sachbearbeiterin in einer Beratungsstelle für Metallverarbeitung. Zur gleichen Zeit beginnt ihr langjähriger Freund Harald Poelchau, verfolgten Jüdinnen und Juden zu helfen. Sie ist in die Hilfsaktionen eingeweiht und unterstützt diese tatkräftig. Für die untergetauchte Familie Latte organisiert sie Lebensmittelmarken, Geld, Übernachtungsmöglichkeiten und Arbeit. Konrad Latte übernachtet mehrfach in ihrer Wohnung.
Im März 1945 bekommt Gertie Siemsen mit Harald Poelchau eine Tochter. Gemeinsam mit ihrer Tochter erlebt Siemsen das Kriegsende in Berlin. Ab 1946 arbeitet sie bei der Berliner Justiz. Sie wird Gefängnisdirektorin und leitet ab 1953 das Berliner Frauengefängnis Tiergarten.
2002 wird sie posthum von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet.
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